Nützliche Wissenschaft, Naturaneignung und Politik – Die Oekonomische Gesellschaft Bern im europäischen Kontext (1750-1850)
Forschungsprojekt der Abteilungen für Schweizer Geschichte und für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte der Universität Bern
| Projektleitung: | Prof. Dr. André Holenstein, Prof. Dr. Christian Pfister |
| Projektkoordination: | Dr. Martin Stuber |
| Laufzeit: | 2003-2014 |
Das Titelblatt der Abhandlungen und Beobachtungen der Oekonomischen Gesellschaft Bern zeigt deren agrarische Ausrichtung. Die Preismedaille, mit der sie die besten Antworten auf Preisfragen sowie herausragende praktische Leistungen honorierte, ist umgeben von den Früchten des Landes. Die Allegorie der Republik – erkennbar an ihrem phrygischen Hut, den sie hochhält – sitzt auf einem Pflug. Der Merkurstab mit zwei Schlangen, der für den Handel steht, liegt ihr zu Füssen. Abhandlungen und Beobachtungen durch die Oekonomische Gesellschaft zu Bern gesammelt, 1764 [Frontispiz, Ausschnitt].
In der ‚Sattelzeit’ (1750-1850) erwuchs den werdenden Industriestaaten die Fähigkeit zum Anstoss langfristiger wirtschaftlicher Wachstumsprozesse. Von Bedeutung war dabei die engere Bindung der Wissenschaft an Politik und Wirtschaft. Als institutionelle Gefässe für die Produktion ‚nützlichen Wissens’ im Hinblick auf Reformen in Wirtschaft und Gesellschaft (effiziente Naturaneigung, Rationalisierung der Lebensweisen) dienten zunächst die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts europaweit gegründeten oekonomisch-patriotischen Gesellschaften. Die 1759 gegründete Oekonomische Gesellschaft Bern gehörte unter ihnen zu den Vorreitern.
Das Forschungsprojekt zielt auf eine kommunikations- und praxiszentrierte Untersuchung der Tätigkeit der Oekonomischen Gesellschaft Bern zwischen 1750 und 1850. Diese soll in vier miteinander verschränkten Modulen aufgearbeitet werden, in denen auf der Grundlage einer gemeinsamen Datenbank nach Produktion, Kommunikation, Umsetzung und Folgen von „Nützlicher Wissenschaft“ gefragt wird.
- Internationales Expertennetz und lokale Erfahrung – Akteure, Kommunikationsformen, Wissensgenerierung (Modul 1)
- Naturpotential und Humankapital aus Sicht der ökonomischen Patrioten – Die Topographischen Beschreibungen der bernischen Ökonomen (Modul 2)
- Reformpolitik und Verwaltung – Strategien und Praktiken der Umsetzung (Modul 3)
- Erscheinungsbild und einsetzender Wandel der Kulturlandschaft im Gefolge der Agrarmodernisierung (Modul 4)
Das Projekt wird von zahlreichen Partnern unterstützt.